Der Hundeführerschein

Der Hundeführerschein (oft auch Sachkundenachweis genannt) ist ein Befähigungsnachweis für Hundehalter und soll bescheinigen, dass der Hundeführer seinen Hund im Alltag sicher unter Kontrolle hat und weder Mensch noch Tier gefährdet.
Ein Hundeführerschein besteht mindestens aus einem praktischen Teil, schließt aber in den meisten Fällen auch einen theoretischen Sachkundenachweis mit ein. Da es keine bundesweit einheitlichen Richtlinien gibt, werden die Prüfungsinhalte von Vereinen und Verbänden individuell festgelegt. Verbände, die eine Hundeführerscheinprüfung anbieten sind zum Beispiel der Berufsverband der Hundeerzieher/-innen und Verhaltensberater/-innen (BHV), der Dachverband für Haustierverhaltensberatung in Europa (DHVE) oder der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH).

Auch die Notwendigkeit eines Hundeführerscheins ist nicht einheitlich geregelt. In Hamburg zum Beispiel werden Hunde, die erfolgreich eine Hundeführerscheinsprüfung abgelegt haben, von der Leinenpflicht befreit. In Schleswig-Holstein brauchen Hundehalter, die einen gelisteten Hund besitzen verpflichtend einen Sachkundenachweis und in Wien werden Hundebesitzer mit einem freiwillig erworbenen Hundeführerschein ein Jahr lang von der Hundesteuer befreit. In vielen anderen deutschen Bundesländern gilt eine Hundeführerscheinspflicht für 20/40 Hunde, d.h. für Hunde, die über 20kg schwer sind oder über 40 Zentimeter groß. Niedersachsen hat am 1.Juli.2013 als erstes deutsches Bundesland die Pflicht eingeführt einen Hundeführerschein zu besitzen. Dabei müssen Ersthundehalter noch vor der Anschaffung eines Hundes die theoretische Sachkundeprüfung bestehen und mit dem Hund binnen eines Jahres die praktische Prüfung ablegen. Die Kosten werden dabei vom Hundehalter selbst getragen.

So viel zur Theorie, doch wie sieht die Praxis aus? Was müssen Hund und Mensch alles beherrschen, um eine Hundeführerscheinprüfung bestehen zu können? Dies wird im Folgenden am Beispiel des BHV-Hundeführerscheins deutlich gemacht:

1. Die Theorieprüfung

Der theoretische Teil der Prüfung wird in schriftlicher Form abgelegt und besteht aus 40 Fragen rund um die Themen Rechtsvorschriften für den Umgang mit Hunden, Anforderungen an die Hundehaltung unter Berücksichtigung des Tierschutzrechtes, Erziehen und Ausbilden von Hunden, Sozialverhalten von Hunden und rassespezifische Eigenschaften von Hunden und Erkennen und Beurteilen von Gefahrensituationen mit Hunden. Die Fragen werden in einem Single-Choice-Verfahren geprüft und das Bestehen ist Voraussetzung zur Teilnahme an der praktischen Prüfung.

 

 

 

2. Die Praxis

Ist die Theorie bestanden, folgt die Praxis. Die praktische Prüfung kann in 3 Schwierigkeitsstufen abgelegt werden (Stufe 1: Sachkundenachweis, Stufe 2: angeleint, Stufe 3: Prüfungsabschnitte ohne Leine) und findet in drei unterschiedlichen Umgebungen statt:

2.1 ablenkungsarme Umgebung

In der ablenkungsarmen Umgebung möchte der Prüfer vor Allem sehen, dass der zu prüfende Hund vom Besitzer gefahrlos angefasst, festgehalten und Augen, Ohren und Zähne kontrolliert werden können. Des Weiteren sollte er seine Ressourcen nicht verteidigen und ausgeben können. Außerdem soll der Hund in der Lage sein, stressfrei einen Maulkorb zu tragen. Der Rückruf (in Stufe 1 und 2 mit Schleppleine) wird kontrolliert und der Hund muss 2 Minuten an einem Ort verbleiben, während sich sein Besitzer ca. 30 Schritte entfernt.

2.2 öffentliche Grünanlage / Hundefreilaufgebiet

Dieser Teil hat den Charakter eines Spazierganges und soll das Verhalten des Hundes in alltäglichen Begegnungssituationen zeigen. Es wird überprüft, dass der Hund kontrolliert ins Auto ein- und aussteigen kann, sowie ob das Führen an lockerer Leine möglich ist. Sind diese Aufgaben geschafft, wird der Hund abgeleint (bzw. in Stufe 1 und 2 an die Schleppleine genommen) und sein Verhalten im Freilauf wird geprüft. Der Hund muss die Kommandos „Sitz“, „Platz“ und „Steh“ zeigen und eng am Hundeführer gehen können. Außerdem wird überprüft, ob der Hund ohne Leine auf Kommando eine Handlung unterbricht (Futterstück wird ausgelegt) und, ob er das Rückrufkommando beherrscht.

Sind diese Prüfungsaufgaben gemeistert, werden Begegnungssituationen abgeprüft. Dabei begegnen dem Hund-Mensch-Team 2 sich schnell bewegende Objekte (Fahrrad, Jogger, Segway, etc.), 2 Personen mit ungewöhnlichem Bewegungsmuster (humpelnd, am Rollator, im Rollstuhl, Person mit Gehhilfen usw.), eine Person, die dem Hundehalter die Hand schüttelt, eine Person, die den Hundehalter in ein Gespräch verwickelt und eine Person mit einem fremden angeleinten Hund. Prinzipiell ist gewünscht, dass der Hund während den Begegnungssituationen frei läuft, jedoch liegt es im Ermessen des Hundehalters seinen Hund kurzzeitig anzuleinen. Es soll gezeigt werden, dass der Hund auch beim Erscheinen von Ablenkung zu kontrollieren ist.

2.3 innerstädtischer Bereich

Dieser dritte und letzte Prüfungsabschnitt findet ausschließlich an der Leine statt. Auch hier werden Leinenführigkeit und Grundkommandos geprüft. Eine fremde Person hält dem Hund ein Futterstück hin und lockt ihn, was vom Hundehalter abgebrochen werden soll. Außerdem werden auch hier Begegnungssituationen geprüft. Eine belebte Örtlichkeit und eine stark befahrene Straße sollen passiert werden, es wird kurz ein Geschäft und ein Café besucht und der Hund soll kontrolliert Fahrstuhl fahren.

Sind diese Aufgaben gemeistert, ist die Prüfung geschafft und Hund und Mensch können wirklich stolz auf sich sein!

Haben Sie mit Ihrem Hund bereits den Hundeführerschein abgelegt oder haben Sie es in naher Zukunft vor? Was halten Sie von einer einheitlichen Hundeführerscheinspflicht in Deutschland? Teilen Sie uns Ihre Meinung gern mit.

 

  • Geschrieben von Sarah